Ich bin ein Hausarzt und möchte einen PPA-Fall identifizieren
Bevor Sie das Sprachniveau eines Patienten beurteilen können, sollten Sie das Sprachniveau vor Beginn der Erkrankung erfragen:
- Prämorbide Funktionsfähigkeit
- Anzahl der Ausbildungsjahre und frühere Berufe
- Stärken und Schwächen, Hobbys
- Vorgeschichte von Lernstörungen (z. B. Legasthenie), ADHS?
Diese Schritte sollten Sie einleiten:
Lassen Sie den Patienten sprechen, um die spontane Sprache zu beurteilen. Falls erforderlich, können Sie ihm offene Fragen stellen (z. B. Erzählen Sie mir, was Sie gestern gemacht haben, um was geht es in dem Buch, das Sie gerade lesen? Bildergeschichte erzählen lassen)
Notieren Sie, ob eines der folgenden Merkmale vorhanden ist:
- Wortfindungsschwierigkeiten (Anomie)
- Schwierigkeiten, Wörter richtig zu artikulieren/auszusprechen
- Schwierigkeiten, Fragen zu verstehen
- Produktion von kurzen und unvollständigen oder agrammatischen Sätzen
- Zögern beim Sprechen
- Phonologische Paraphasien (z. B. Pappel statt Apfel) oder semantische Paraphasien (z. B. Birne statt Apfel)
- Befragen Sie die Betreuungsperson:
- Wann sind die Schwierigkeiten aufgetreten und in welchem Zusammenhang? Sind sie allmählich oder plötzlich aufgetreten?
- Wie hat sich der Zustand des Patienten entwickelt? Ist er stabil, entwickelt er sich allmählich, usw.?
- Wie zeigt sich die Sprachstörung im Leben der Person? Sie können Beispiele aus dem Alltag verwenden, um die Schwierigkeiten des Patienten zu verdeutlichen: ein Telefongespräch, ein Gespräch mit einem Angehörigen, Lesen, Schreiben.
- Wie wirken sich die Sprachdefizite auf andere tägliche Aktivitäten aus? Beispiele: Kochen von Mahlzeiten, soziale Aktivitäten, Hobbys.
- Fragen Sie den Patienten nach anderen kognitiven Funktionen wie Gedächtnis, Rechnen, Orientierung, exekutiven Funktionen und visuell-räumliche Fähigkeiten. Fragen Sie auch nach Veränderungen im Verhalten. Eine neuropsychologische Beurteilung kann in dieser Hinsicht hilfreich sein.
- Die nicht-flüssige/agrammatische Variante der PPA wird häufig durch eine Tau-Pathologie verursacht, die häufig mit Parkinsonismus einhergeht. Daher ist es wichtig, den Patienten nach motorischen Veränderungen zu fragen, wie z. B. langsameres Gehen, Stürze, Haltungsanomalien, usw.
- Vergewissern Sie sich, dass Sie den Unterschied zwischen Sprache und Sprechen verstehen
Sprache umfasst die folgenden Fähigkeiten:
- Die Fähigkeit, Wörter (semantisch) und Sätze zu verstehen
- Die Fähigkeit, das richtige Wort zu finden (Wortfindung)
- Die Fähigkeit, korrekte Sätze zu bilden (Syntax und Grammatik)
- Die Fähigkeit, Wörter und Sätze zu wiederholen
- Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben
Verbale Tests zur Überprüfung des Redeflusses, phonologische (Beispiel: Nennen Sie in einer Minute so viele Wörter, die mit dem Buchstaben F beginnen, wie Sie können) oder semantische Tests (Beispiel: Nennen Sie in einer Minute so viele Tiere, wie Sie können), gelten nicht als Sprachtests, sondern als Tests der exekutiven Funktionen.
Sprechen ist die neuromuskuläre Ausführung von Sprache. Es gibt zwei Hauptprobleme, die die Sprache eines Patienten beeinträchtigen können:
- Dysarthrie
Hierbei handelt es sich um eine motorische Sprachstörung, die die Ausführung von Sprechbewegungen beeinträchtigt. Die Sprache des Patienten kann schlaff, spastisch, ataktisch, hypo-/hyperkinetisch oder gemischt sein. Motorische Sprechstörungen können bei allen PPA-Varianten auftreten (Staiger et al. 2021), sollten jedoch nicht im Vordergrund der Erkrankung stehen.
- Apraxie des Sprechens
Hierbei handelt es sich um eine motorische Sprachstörung, die die Planung und Abfolge von Sprachlauten beeinträchtigt.
- Dysarthrie
Verweisen Sie zu einer ausführlichen logopädischen/ sprachtherapeutischen Diagnostik, wenn Probleme der Sprache oder des Sprechens vorliegen.
- Drei einfache Tests zur Beurteilung der Sprechfähigkeiten des Patienten sind:
- AAT (Nachsprechen)
- Hierarchische Wortlisten
- 10-Punkte Checkliste
- Dépistage Cognitif de Québec (DCQ) – Language Index (Verfügbar auf Englisch kostenlos unter www.dcqtest.org)
Schließlich können die folgenden Elemente helfen, diagnostische Hypothesen zu formulieren (Leyton et al., Brain 2011):
Symptom = Am häufigsten assoziierte PPA Motorische Sprechstörung (verlangsamtes Sprechen, Verzerrungen, Dysprosodie) = Nicht-flüssige/agrammatische PPA Agrammatismus = Nicht-flüssige/agrammatische PPA Beeinträchtigte Wiederholung von Sätzen = Logopenische PPA Beeinträchtigtes Wortverständnis = Semantische PPA Bei Verdacht auf PPA sollte eine ausführliche logopädische/sprachtherapeutische Untersuchung vorgenommen werden.